Tagebucheintrag #9 – Liebe allein ist zu wenig!

Dieser Eintrag entspringt einer völlig simplen Erkenntnis, die ich während des Schreibens erlangt habe. Sie zeigte sich mir erst bei meinem eigenen Roman. Denn ich habe herausgefunden, dass für eines meiner „Paare“ Liebe nicht ausreicht. Nicht gänzlich. Ich muss etwas viel Intensiveres wiedergeben, um den Gefühlen, die sie füreinander empfinden, gerecht zu werden.
Sorgt euch nicht, dieser Post ist – so hoffe ich jedenfalls – weit entfernt von kitschigem Philosophieren.
Außerdem möchte ich darauf hinweisen, dass in den folgenden Absätzen meine eigene Ansicht und Meinung beschrieben werden und mir vollkommen bewusst ist, dass jedes Gefühl von jedem subjektiv und unterschiedlich betrachtet wird. Ich bin für Diskussionen, Horizonterweiterungen und andere Thesen offen, aber nicht für Streitereien und/oder Angriffe. 🙂


„Liebe allein reicht nicht.“

Persönlich bevorzugte ich einst Romane, in denen Liebe nicht irrelevant ist; sowohl für die Charaktere als auch für die Geschichte an sich. Liebe hier, Liebe da. Herzklopfen. Verlangen. Nähe. Sehnsucht. Ich konnte nicht genug davon kriegen.

Dabei ist nur Liebe allein ein recht lasches und machtloses Gefühl.

Ich schätze, das Sprichwort „Liebe allein reicht nicht“ ist nahezu jedem bekannt. In vielerlei Hinsicht stimmt das.
Beispielsweise in Be with Me von J. Lynn lieben sich die Protagonisten. Die Autorin stellt es so dar, beschreibt es auch so. Aber das ist nicht genug. Ich war kaum berührt von ihrer Geschichte; die Gefühle stellten mich nicht zufrieden  – was garantiert nicht am Schreibstil, dem Aufbau der Story oder dergleichen lag.
Nun, da ich beide Staffeln des Anime Noragami gesehen habe, verstehe ich den Unterschied vollkommen. Was Yato für Hiyori empfindet ist intensiver und mächtiger als Liebe. Es ist weitaus bedeutsamer als das. Er riskiert für sie sein Leben, obwohl ihn die Angst, als Gott nach dem Tod nicht wiedergeboren zu werden, nahezu zugrunde richtet. Doch er gäbe sein eigenes Dasein für immer auf, nur um sie zu retten. In Situationen, in denen Egoismus erwartet wird, denkt er an sie und daran, wie er zu ihr gelangen kann, um sie in Sicherheit zu wiegen. Sein Handeln zeugt dabei nicht von Besessenheit oder Verliebtheit oder davon, sie zu beeindrucken, sondern von einem unerschütterlichen Gefühl, das er für sie empfindet; von einer Bindung, die nicht allein mit Liebe geschaffen werden kann.
Genau das ist es, wovon ich auch in Büchern lesen will! Diese Intensität an Gefühlen und Verbindungen und Aufopferung ist es, was in mir eine Ewigkeit nachhallt und mich gefangen nimmt. Das ist es, was meine Gedanken noch lange Zeit danach erfüllt. Dadurch blutet mein Herz. Nicht durch bloße Verliebtheit zwischen zwei Figuren (oder mehreren …).
Für manche reicht Liebe völlig aus. Das ist auch nichts Verwerfliches! Doch ich selbst benötige mehr und möchte meine Leser auch mehr spüren lassen. Ich will ihnen dieses Gefühl in die Brust rammen, das mir dieser Anime in die Brust gerammt hat.
Vielleicht war es das, was mir bei so vielen Romanen, die Liebe enthalten, gefehlt hat. Vielleicht bin ich jemand, dem Liebe allein nicht ausreicht. Oder der sich daran stört, wenn Liebe lediglich mithilfe von physischer Nähe dargestellt wird. Dieses eine Gefühl, diese mächtige und intensive Bindung, die eben Yato zu Hiyori hat, kann nicht durch einen Kuss, eine Berührung oder Sex vermittelt werden.
Allerdings scheint es mir nur realistisch, dass nicht jede Bindung derart eindringlich dargestellt wird. Manchmal ist es ausschließlich Liebe oder Anziehung – ohne ein hohes Maß an Intensität. Manchmal ist es nur ein mittleres Maß oder ein geringes. Und das ist glaubwürdig.
Dennoch möchte ich lieber Geschichten erleben, bei denen die Bindung mancher Charaktere maßlos über Liebe hinausschießt. Nicht körperlich, vielmehr auf Ebenen, die unsere Sprache nicht in Worte zu fassen vermag.

Diese Erkenntnis hat mich bei der Überarbeitung von Wer schneidet, muss bluten geradezu überrannt. Und nun muss ich zu meinem Manuskript zurückkehren und meine neue Inspiration ausschöpfen!


LG eure j.s.k.
(ノ◕ヮ◕)ノ*:・゚✧

2 Kommentare

  1. Liebe Joanna,

    ein toller Beitrag! <3 Du sprichst genau das an, was mich auch immer stört. Aber weißt du, was ich denke? Das, was du beschreibst, ist wohl Liebe. Und zwar richtige. Das, was in den Büchern beschrieben wird, ist häufig nur Verliebtheit. Ja, ich mache da einen Unterschied! 🙂 Denn verlieben kann ich mich in zig Leute. An sich ist das ja nicht mehr als starke Faszination in Verbindung mit Anziehung. Oder? Ganz grob ausgedrückt. Aber Liebe ist mehr. Deswegen bin ich schon so lange häufig unzufrieden mit Liebesgeschichten. Denn entweder vögeln die die ganze Zeit (KEINE LIEBE! Ich hasse es, wenn Leute Sex und Liebe gleichsetzen!) oder sie sind total verknallt. Eine tiefere Ebene wird aber nie angesprochen. Das ist dermaßen traurig! Aber vielleicht verstehst du jetzt, warum so selten Bücher die volle Punktzahl von mir bekommen. Häufig fehlt einfach das gewisse Etwas, was mir richtige Liebe vermittelt. Möglicherweise würde man das erleben, wenn man mehr Geschichten nach dem Happy End lesen könnte. Wenn das Paar richtig zusammenwächst, nachdem es zusammengekommen ist. Wie sie ihren Alltag gestalten, sich auch nach Jahren noch zeigen, dass sie sich gern haben usw. Denn wie wir alle wissen, schwindet die kribbelige Verliebtheit irgendwann. Dann stellt sich heraus, ob es Liebe ist oder nicht. Nicht umsonst scheitern die meisten Beziehungen an diesem Punkt. 🙂
    Vielleicht wäre ich zufriedener, wenn man zwischen richtigen Liebesgeschichten und Verliebtheitsgeschichten unterscheiden würde. 😀 Aber das wird wohl nie passieren. Denn ganz ehrlich: Die Zeit, wo man verliebt ist, ist die aufregendste. Nicht wahr? Ich finde, wenn aus Verliebtheit Liebe geworden ist, ist alles viel ruhiger, vertrauter, geborgener. Das weiß ich sehr zu schätzen! Aber für die meisten Leute wäre das wohl nicht spannend genug als Geschichte. :/

    Liebste Grüße
    Lisa <3

    1. Liebe Lisa,

      herzlichen Dank für deine Meinung. <3
      Ich schätze, es ist mittlerweile eine Herausforderung, Geschichten zu finden, die mehr als nur Verliebtheit und/oder Vögelei beinhalten. Dabei bin ich der Meinung, dass es zwar schwierig, jedoch keine Unmöglichkeit ist, dieses Gefühl tiefer Verbundenheit aufregend und spannungsgeladen zu gestalten. Davon bin ich überzeugt!

      Herzliche Grüße <3
      Joanna

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